Im Netz gibt es manche richtig gute Anleitung zum Beckenbodentraining.
Es wurden Bücher zum Thema geschrieben und es gibt auch Apps, die auch von Krankenkassen bezahlt werden.
Gerade viele jüngere Frauen besorgen sich in Eigeninitiative sogenannte „Liebeskugeln“ zum Trainieren ihrer Beckenbodenmuskeln.
Das sind unterschiedliche Gewichte, die in die Scheide eingeführt werden und die man durch das Anspannen der Muskeln festhalten soll, um so die Muskulatur zu trainieren (übrigens für viele eine ziemlich frustrierende Angelegenheit).
Meine Erfahrungen mit dem Thema Beckenbodentraining?
- Ja, es ist für jede Frau absolut empfehlenswert, eine gut trainierte Beckenbodenmuskulatur zu haben.
Wissenschaftliche Untersuchungen, sogenannte Studien, bestätigen, dass ein effektives Beckenbodentraining zum Beispiel bei einer Belastungsinkontinenz eine Verbesserung von 30 % bewirken kann.
Wenn Sie sicher sind, dass Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur im Griff haben, das heißt, dass Sie die innere Scheidenmuskulatur gut anspannen und bewusst entspannen können,
kann man das Training in Eigenregie durchführen.Entsprechende Videos oder Apps erweitern dabei das Repertoire an Übungen und können für die eine oder andere als Motivationshilfe dienen.
Allerdings ist im Alltag dafür nur selten Zeit und das Training sollte besser in den Alltag eingebaut werden.
Lieber täglich ein paar Minuten bewusstes An- und Entspannen der Muskulatur, als einmal in der Woche zwanzig Minuten lang.
Ein einfacher Test, um herauszufinden, ob Sie Ihre Beckenbodenmuskeln richtig anspannen, lässt sich im Übrigen während des Entleerens der Blase machen.
Wenn Sie den Harnstrahl durch das Anspannen von Muskeln unterbrechen können, steuern Sie definitiv die richtigen Muskeln an.
ABER ACHTUNG: machen Sie das nicht zu oft,
vor allem: benutzen Sie nicht jeden Toilettengang als Trainingseinheit!
Sie riskieren sonst, dass Ihre Blasen“steuerung“ durcheinandergerät. - Ein erstaunlich großer Prozentsatz von Frauen (ca. 30 %) kann seine Beckenbodenmuskeln allerdings gar nicht bewusst ansteuern.
Fordert man diese Frauen auf, ihre inneren Beckenbodenmuskeln anzuspannen, so, als ob man Urin einhalten möchte, so spannen sie vielleicht die Gesäßmuskeln oder die Bauchmuskulatur an, die Muskeln im Inneren der Scheide, auf die es ankommt, um zum Beispiel den Blasenverschluss zu unterstützen, bleiben dabei aber untätig.
In unserem Untersuchungsablauf ist das Überprüfen der Beckenbodenkontraktilität ein fester Bestandteil.
Oft erleben wir bei diesem Test sogar, dass die Frauen eine kontraproduktive Aktion machen, das heißt, dass sie pressen, anstatt ihre Muskeln „richtig“ anzuspannen.
Damit zeigen sie, dass sie das Pressen bisher als Beckenbodentraining betrachtet haben.
Für diese Frauen sind die Anleitungen im Internet oder in Büchern nicht wirklich hilfreich.
Ein erfahrener Arzt, mit dem ich über lange Zeit zusammengearbeitet habe, hat mal das Beispiel gebraucht, dass man einem Nichtschwimmer ja auch nicht eine Anleitung in die Hand drückt, in der er lesen kann, wie man schwimmt, und ihn dann ins tiefe Wasser springen lässt.
Welche Empfehlung ist in diesen Fällen angebracht?
Nehmen Sie die Hilfe einer professionellen Trainerin, bzw. eines professionellen Trainers in Anspruch!
Es gibt hervorragend ausgebildete PhysiotherapeutInnen, die sich auf die Anleitung zum Beckenbodentraining spezialisiert haben.
Viele von ihnen sind auch darin ausgebildet, die Muskeltätigkeit durch Tasten zu überprüfen, wenn es gewünscht ist.
So können sie sich ein Bild von der Kraft und den Möglichkeiten Ihrer Muskulatur machen und wissen, wo sie ansetzen müssen mit ihrer Anleitung.
Möglicherweise können Sie sich diese Trainingseinheiten von einer Gynäkologin / einem Gynäkologen oder auch einer Urologin / einem Urologen verschreiben lassen.
Dazu ist es allerdings nötig, dass Sie dort Ihre Problematik schildern und dann bereit sind, sich entsprechenden Untersuchungen zu unterziehen.
Wie finden Sie eine spezialisierte Therapeutin / einen spezialisierten Therapeuten?
Auf der Internetseite der AGGUP (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie Geburtshilfe Urologie Proktologie im Deutschen Verband für Physiotherapie ZVK e.V.) gibt es eine Therapeutenliste Beckenboden, in der alle dort registrierten zertifizierten PhysiotherapeutInnen nach
Postleitzahl sortiert, zu finden sind.
Hier der Link:
www.ag-ggup.de/therapeutenliste/therapeutenliste-beckenboden
Mein Rat: Da ein solches Rezept nicht beliebig oft ausgestellt werden kann, macht es unbedingt Sinn, sich die Mühe zu machen, eine Expertin / einen Experten auf diesem Gebiet zu suchen, anstatt das Rezept, weil es bequemer ist, in der nächstbesten Praxis einzulösen.
Auch wenn man dafür möglicherweise einen weiteren Weg auf sich nehmen muss, lohnt sich diese Investition.
Wenn Sie nach einer intensiven Anleitung am Ball bleiben und regelmäßig trainieren, investieren Sie damit in einen starken Beckenboden.
Eine mögliche Bindegewebsschwäche kann dann zwar immer noch zu einer Inkontinenz oder Scheidensenkung führen, die Kontrolle über den Blasen- und Darmverschluss ist aber deutlich besser als ohne Training.









