6. Belastungsinkontinenz – was genau ist das und warum heißt sie so?

Autorin: Reinhild Greulich

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Arbeitet seit 20 Jahren als Urotherapeutin in Beckenbodenzentren.

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Inhaltsangabe

Kommen wir nun zu der am häufigsten auftretenden Form von Harninkontinenz.

Da berichtet mir eine Patientin, ständig das Gefühl zu haben, zur Toilette zu müssen.
Wenn ich die Frau aber frage, ob der Harndrang in einer bestimmten Position, wie Sitzen oder Liegen nachlasse und sie zum Beispiel im Sitzen durchaus ohne Harndrang lange aushalten könne, um möglicherweise ein Konzert oder einen spannenden Film zu Ende verfolgen zu können, wird diese Frage häufig bejaht.


Unmittelbar danach kommt aber ausnahmslos die Bemerkung, dass dann das Aufstehen zu einem Problem führt: die Blase meldet sich eindringlich und es kommt nicht selten spontan zu unfreiwilligem Urinabgang, spätestens aber kurz vor Erreichen der Toilette.

Warum macht die Körperhaltung solch einen Unterschied aus?

Die Ursache liegt in einem schwachen Verschluss

Um das zu verstehen, müssen wir genauer hinschauen, nämlich dahin, wo das eigentliche Problem bei einer Belastungsinkontinenz liegt: auf den Verschluss der Blase.

Ich versuche es mal mit einem Bild: Stellen Sie sich einen Luftballon vor, der mit Wasser gefüllt ist. Den Verschluss des Ballons bildet aber nicht ein Knoten, sondern ein ca. 3 cm langes elastisches Röhrchen.

Das Röhrchen ist in unserem Körper die Harnröhre, die sowohl die Aufgabe hat, die Blase dicht zu halten, als auch im richtigen Moment den Urin herauszulassen.
Sie ist bei Frauen ca. 3 cm lang und nur wenige Millimeter breit.

Umgeben ist die Harnröhre von Muskelfasern und Bindegewebe. Auch in der Harnröhre selbst verlaufen Muskelfasern.
Allerdings hat sie keinen Ringschließmuskel, wie es ihn am Ausgang des Darms gibt. 

Im Inneren der Harnröhre herrscht ein Druck, der sich sozusagen von unten als Gegendruck gegen den Druck des Blaseninhaltes stemmt.
Diesen Druck nennt man in der Fachsprache „Urethraverschlussdruck“.

Ist also jemand kontinent, so muss der Druck in der Harnröhre immer größer sein als der von oben drängende Druck.

Immer? Nein, natürlich gibt es einige Momente, wo der Druck innerhalb der Harnröhre nachgeben muss, denn sonst könnte man ja die Blase nicht entleeren.

Aber das ist ein anderes Thema.

Wenn dieser Verschluss also nicht mehr zuverlässig funktioniert, nennt man das Belastungsinkontinenz oder Stressinkontinenz.

Anstrengung und Körperhaltung machen den Unterschied

Belastungsinkontinenz heißt sie deshalb, weil hierbei eine körperliche „Belastung“ zu
einem unfreiwilligen Urinverlust führt.

Das muss nicht gerade Trampolinspringen sein, schon kleinere Anstrengungen und Bewegungen, wie zum Beispiel das Aufstehen vom Sitzen oder Liegen bei voller Blase, das Husten oder Niesen, ein Ausfallschritt, das Hinuntersteigen einer Treppe oder schweres Heben können zu ungewolltem Urinabgang führen.

Die Schwachstelle ist dabei der sogenannte Blasenhals.

Das ist der Übergang zwischen Blase und Harnröhre. Dieser eröffnet sich bei Druck auf die Blase, der bei Erschütterungen und gewissen Bewegungen entsteht.

Grund dafür ist eine nachlassende „Spannkraft“ des Gewebes, welches die Harnröhre umgibt.

Bei der Eröffnung des inneren Blasenverschlusses entsteht dann eine trichterförmige Öffnung und es geht unkontrolliert Urin ab.

Ein schwacher Blasenverschluss im Ultraschall sichtbar gemacht

Zur Veranschaulichung hier 2 Ultraschallfotos derselben Patientin.

Die Blase ist bei der Untersuchung sehr voll.

Auf dem ersten Bild sieht man die Harnröhre in geschlossenem Zustand, während die Patientin entspannt ist.

Das zweite Bild zeigt die Harnröhre während der Bauchpresse.

Hier sieht man deutlich, wie sich die Harnröhre im oberen Bereich öffnet.

Übrigens hat die Patientin dabei reichlich Urin verloren.

Läge keine Belastungsinkontinenz vor, so bliebe die Harnröhre auch während des Pressens geschlossen.

Viel oder wenig Urinverlust

Wie viel Urin jeweils verloren geht, ist ganz unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Zum Beispiel kann jemand eigentlich eine ausgeprägte Verschlussschwäche haben, aber durch kräftige und gut trainierte Beckenbodenmuskeln verhindern, dass größere Mengen Urin verloren werden.

Die starke Beckenbodenmuskulatur schafft in dem Fall einen gewissen Ausgleich zu der nachlassenden Spannkraft des Bindegewebes im Bereich der Harnröhre.

Auch eine Senkung von Blase und/oder Darm in die Scheidenwand hinein kann die wahre Schwäche des Blasenverschlusses kaschieren.

In dem Fall wird dann die Harnröhre entweder abgeknickt oder durch die hintere
Scheidenwand abgedrückt.

Die Belastungsinkontinenz kommt übrigens nur selten in „Reinform“ vor.

Viel häufiger ist eine Kombination aus einer Verschlussschwäche der Harnröhre, nachlassenden Scheidenwänden und/oder einer Gebärmuttersenkung und vermehrtem, lästigem Harndrang.

Wenn also die Belastungsinkontinenz nun die häufigste Form einer Blasenschwäche ist, was kann man denn dagegen tun?

Hier möchte ich auf meine Frage vom Anfang zurückkommen.

Können Sie den Urin besser halten, während Sie sitzen?

Die meisten Frauen würden diese Frage bejahen.

Aber warum ist das so?

Was tatsächlich hilft

Vereinfacht erklärt, bekommt die Harnröhre, also der Blasenverschluss durch das Sitzen eine Unterstützung von unten und wird dadurch gehalten.

Selbst beim Husten kann sich so die Harnröhre in sitzender Position nicht öffnen.

Wenn man doch dieses „Gehaltenwerden“ auch beim Stehen, Gehen und allen körperlichen Aktivitäten nutzen könnte!

Kann man!

Es braucht eine feste Unterlage unter der der Harnröhre „to go“, also eine, die man ständig bei, oder besser, in sich trägt.

Die gibt es sowohl in Form einer Operation (zum Beispiel der sogenannten TVT-Operation, im Volksmund auch „Bändchen-OP“) genannt, als auch in Form einer sogenannten Scheideneinlage.

Ein Foto von Reinhild Greulich, erfahrene Urotherapeutin

Guten Tag,

ich bin Reinhild Greulich, eine erfahrene Urotherapeutin mit 20 Jahren Fachkompetenz in verschiedenen Beckenbodenzentren.
Ich verstehe die Beschwerden aus der Praxis und weiß um den Wert einer fundierten Beratung für die Lebensqualität betroffener Frauen.

Auf meiner Webseite biete ich Hilfe zur Selbsthilfe und einfache Selbsttests, um Frauen zu ermächtigen, ihre Blasenfunktion selbstbewusst und selbstbestimmt zu verbessern.

Ich freue mich über Ihr Feedback:

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