Vorweg einmal Schluss mit dem Vorurteil, es gebe kleine oder große Blasen, das stimmt so nicht!
Die Speichermöglichkeit Ihrer Blase ist kein Schicksal, sondern kann von Ihnen beeinflusst werden.
Idealerweise sammelt sie den Urin (das tut sie übrigens während 98 % der Zeit), meldet sich ab einer gewissen Füllmenge gelegentlich, lässt sich aber wieder und wieder vertrösten, bis Sie entscheiden, dass nun der passende Zeitpunkt zum Entleeren gekommen ist.
Dabei dehnt sich der Blasenmuskel, bis er fast eine rechteckige Form erreicht.
Gesteuert wird das gesamte System, also die Meldungen von der Blase ans Gehirn, dass sie entleert werden möchte, als auch die Meldung zurück, dass sie noch warten muss, von einem fein aufeinander abgestimmten Geflecht von Nerven.
Sitzen Sie dann auf der Toilette und möchten die Blase entleeren, treten wiederum andere Nerven in Aktion, die den Verschluss der Blase entspannen und den Blasenmuskel selbst dazu veranlassen, sich zusammenzuziehen und leer zu pressen.
Übrigens tut er das ganz von allein, nur durch die Nerven animiert.
Wenn wir durch ein Anspannen der Bauchmuskeln, die sogenannte Bauchpresse, mithelfen wollen, dass es schneller geht mit dem Entleeren der Blase, können wir ihm auf Dauer schaden.
Dann riskieren wir eine Schwächung des Blasenmuskels.
Er muss dann nicht mehr so arbeiten wie sonst und wird faul.
In ähnlicher Weise schaden wir dem Blasenmuskel durch ein ständiges Überdehnen.
Wer den Toilettengang zu häufig verschiebt (Krankenschwestern neigen zum Beispiel dazu, weil es nie wirklich passt während der Arbeit), oder wessen Blase aufgrund eines Abflusshindernisses nie richtig leer wird, dem droht eine gewisse „Müdigkeit“ des Blasenmuskels, die sogenannte Detrusor (so heißt der Muskel)-schwäche.
Auch hier ist ein Blasentraining notwendig, um den Blasenmuskel wieder zum Arbeiten zu bewegen.
Und – ja, das ist möglich!
Ebenso wie die Steigerung der Speichermöglichkeit, ist auch die vollständige Entleerung in den meisten Fällen wieder trainierbar.
Das eindrücklichste Beispiel meiner beruflichen Laufbahn war eine Patientin, die aufgrund einer starken Absenkung ihrer Blase eine Restharnmenge von 2,5 Litern (!) in der Blase behielt, nachdem sie von der Toilette kam.
Sie hatte dabei überhaupt nicht das Gefühl einer vollen Blase.
Nachdem sie dann operiert worden war und das Abflusshindernis beseitigt war, benötigte sie ca. 3 Monate lang ein spezielles Blasentraining, danach arbeitete ihr Blasenmuskel wieder einwandfrei.
Wie aber macht man Blasentraining?
Zunächst gilt es, das Trainingsziel festzulegen.
In ca. 95 % der Fälle wird das Ziel sein, nicht mehr zu häufig gezwungen zu sein, eine Toilette aufzusuchen.
Man könnte auch sagen, das Ziel ist, dass ich selbst wieder die Kontrolle über Ort und Zeit der Blasenentleerung bekomme.
Dass nicht mehr meine Blase meinen Tag bestimmt und ich mich ständig damit beschäftigen muss, ob und wo die nächste Toilette zu erreichen ist.
Alles Training braucht Zeit.
Haben Sie beispielsweise über Jahre häufig vorsorglich eine Toilette aufgesucht und hat Ihre Blase sich deshalb daran gewöhnt, dass sie immer bei schon geringen Mengen entleert wird, so werden Sie das Ziel, welches Sie erreichen wollen, auch nur in einem größeren Zeitraum erreichen.
Ich empfehle deshalb, sich zunächst mal einen Zeitraum
von z.B. 6 Monaten für das Training einzuräumen.
Wenn Sie eher ein ungeduldiger Mensch sind, können Sie sich auch erst mal ein Ziel von 3 Monaten setzen.
Setzen Sie sich kein Ziel, so besteht die Gefahr, dass, wenn
schnelle Trainingserfolge ausbleiben, Sie das Training frustriert abbrechen.
Als nächstes führen Sie an einem oder zwei Tagen mal ein „Blasentagebuch“ und notieren jeweils über 24 Stunden die Trinkmengen (können geschätzt werden) und die einzelnen Urinmengen, die sie entleeren.
Das bedeutet zwar einmalig einen gewissen Aufwand, ist aber die einzige Möglichkeit, um später Ihren Trainingserfolg messbar zu machen.
Wenn Sie nämlich nach der von Ihnen festgesetzten Zeit wissen möchten, was Sie schon erreicht haben, führen Sie einfach erneut über 24 Stunden ein Blasentagebuch und vergleichen die Mengen mit den Ergebnissen des ersten.
Trinken Sie genug?
Gerade die Menschen, die unter zu häufigem Harndrang
leiden, trinken erfahrungsgemäß oft eher zu wenig.
Die Folge ist ein stärker konzentrierter Urin und der wiederum reizt die Blase zusätzlich.
Also: wenn Sie feststellen, dass Sie bisher zu wenig getrunken haben, überlegen Sie sich Strategien, die zu Ihnen passen, um die Trinkmengen zu steigern.
Nicht jeder trinkt gerne regelmäßig reines Wasser oder Kräutertee.
Finden Sie ein Getränk, welches Ihnen leichtfällt, zu trinken und meiden Sie dabei Kohlensäure, Koffein, schwarzen Tee und Zucker.
Ich selbst mische mir häufig eine kleine Menge Fruchtsaft mit einer größeren Menge Wasser.
Diese Mischung kann ich dann gut in größeren Mengen trinken.
Neben den Trinkmengen spielt auch das Gefäß, aus dem Sie trinken, eine gewisse Rolle.
Ist es zu klein, muss man ganz schön viele davon leeren, bevor man eine Menge von 1,5 bis 2 Litern getrunken hat.
Vielleicht gönnen Sie sich, sozusagen als Motivationshilfe, einfach mal ein neues Trinkgefäß, welches mindestens 0,5 Liter fasst.
Das kann ein schönes Glas sein oder auch ein Trinkgefäß zum Mitnehmen.
Das eigentliche Training der Blase ist ein bewusstes Hinauszögern von Toilettengängen.
Beginnen Sie mit einigen Minuten und steigern Sie die Minuten im Laufe der Zeit.
Ablenkungsstrategien sind dabei der Schlüssel.
Konzentrieren Sie sich bewusst auf etwas anderes als Ihre Blase und warten Sie ab, bis der erste Harndrang nachlässt, bevor Sie dann die Toilette aufsuchen.
Finden Sie für sich heraus, welche Strategie bei Ihnen am besten funktioniert.
Die Blase soll sich ja wieder an mehr Dehnung gewöhnen und zwar so lange, bis sie die größeren Mengen wieder als „normal“ einstuft.
Es klingt vielleicht paradox, aber genau so gelangen Sie mit der Zeit wieder zu einer „entspannten“ Blase!
Bei allem Trainieren sollten Sie sich aber immer sicher fühlen.
Der sicherste Ort ist für die meisten Menschen ist das eigene Zuhause.
Wenn Sie das bewusste Hinauszögern von Toilettengängen zunächst auf die Zeiten beschränken, in den Sie zu Hause sind, ist das ok.
Sollte gerade in der Anfangszeit Ihre Blase mal nicht mitspielen beim Training und es kommt zum unfreiwilligen Urinverlust vor dem Erreichen der Toilette, so lässt sich das zu Hause besser managen als unterwegs.









