Hilfsmittel zum Einsatz bei Belastungsinkontinenz
Hilfsmittel gegen unfreiwilligen Urinverlust, zum Beispiel bei körperlicher Belastung sind spezielle Scheideneinlagen, die unter der vorderen Scheidenwand anliegen und einen Gegendruck, ein Widerlager bilden für einen schwachen Blasenverschluss.
Da hier von einem mechanischen Wirkprinzip die Rede ist, helfen Scheideneinlagen sofort, also von dem Moment an, wo sie sich in der richtigen Position befinden.
Sogenannte Inkontinenzpessare, auch Urethra- oder Urethraschalenpessare genannt, sind aus Silikon, werden einmalig von Ihrer Frauenärztin / Ihrem Frauenarzt oder einer erfahrenen Fachkraft angepasst.
Sie haben an einer Stelle eine Verstärkung, die sogenannte Kalotte, welche an der vorderen Scheidenwand anliegt und den Blasenverschluss von unten abstützt, sobald von oben ein Druck entsteht.
Optimal angepasst sind sie nicht zu spüren und können ganz nach Bedarf verwendet werden.
Es gibt diese Pessare in unterschiedlichen Größen und sie sollten, damit sie optimal
funktionieren und richtig liegen, von einer Ärztin / einem Arzt oder einer speziell ausgebildeten Fachkraft angepasst werden.
Dabei werden Sie angeleitet, wie Sie das Pessar selbst einsetzen und entfernen können.
Funktioniert in vielen Fällen ebenfalls als Hilfsmittel: ein einfaches Vaginaltampon
Das einfachste Hilfsmittel für diesen Zweck ist ein handelsübliches Vaginaltampon.
Bitte nicht falsch verstehen: das Tampon soll nicht den Urin auffangen, sondern verhindern, dass überhaupt ungewollt Urin verloren wird.
Damit es an der richtigen Stelle seine Funktion erfüllt, darf es nicht zu tief in der Scheide sitzen, sondern wird, nachdem es vollständig eingeführt wurde, wieder in Richtung Scheidenausgang gezogen.
Schließlich soll es ja die Harnröhre abstützen und ihr von unten ein Widerlager bieten.
Betrachtet man die Lage und Länge der Harnröhre, so verläuft sie, vom Scheideneingang her betrachtet, etwa 3 cm parallel zur vorderen Scheidenwand.
Die Scheide selbst ist ca. 9 bis 10 cm lang.
Führt man den Tampon also zu tief ein, kann er die Harnröhre nicht abstützen, sondern liegt unter dem Boden der Blase – und erfüllt dabei nicht den Zweck, den Verschluss abzudichten.
Möglicherweise bedarf es mehrerer Versuche mit unterschiedlichen Größen von Tampons, bis Sie für sich die optimale Größe und Position gefunden haben.
An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis:
Sollte der Trick mit dem Tampon bei Ihnen gut funktionieren, werden Sie ihn mit Sicherheit häufig über längere Zeit nutzen.
Damit es dabei nicht zu einem Austrocknen der Scheidenhaut kommt, ist es sinnvoll, den Tampon vor dem Einführen mit einer hormonfreien Scheidencreme einzucremen.
Diese erhalten Sie in der Apotheke.
Alternativ können Sie dafür auch etwas Joghurt mit lebenden Milchsäurebakterien verwenden.
Was Sie möglicherweise riskieren, ist eine gelegentliche Pilzinfektion der Scheide.
Diese bemerkt man in der Regel durch Juckreiz und weißlich krümeligen Ausfluss.
Verzichten Sie dann für einige Tage auf das Tragen des Tampons und behandeln die Pilzinfektion mit entsprechenden Medikamenten aus der Apotheke.
Zwei spezielle Varianten von Tampons möchte ich hier noch vorstellen:
Gerade angesichts des zunehmenden Umweltbewusstseins wünschen sich viele Frauen nachhaltige Lösungen und möchten ungern Wegwerfprodukte verwenden.
Ein Hersteller bietet daher seit einigen Jahren Tampons aus Silikon an, die nach Gebrauch
gereinigt und wiederverwendet werden können.
Diese nennen sich Tampon-Pessare, sind frei verkäuflich, können aber auch durch
einen Arzt / eine Ärztin als sogenanntes Hilfsmittel verschrieben werden.
Eine andere Sorte von Tampons, ebenfalls nicht für aufsaugende, sondern für stützende Zwecke, sind Tampons aus einem speziellen Schaumstoff, die vor der Benutzung in Wasser eingeweicht werden und dadurch relativ weich werden.
Sie sind leider recht teuer, aber ebenfalls verschreibungsfähig.
Sie hätten gerne eine Dauerlösung gegen Ihre Belastungsinkontinenz?
Wenn Sie feststellen, dass der Tipp mit dem Tampon tatsächlich eine Hilfe für Sie ist und Sie dadurch wieder eine verbesserte Kontrolle über Ihre Blase gewinnen, heißt das nicht, dass Sie es nun lebenslang benutzen müssen, um dauerhaft kontinent zu sein.
Ich habe dem Thema „mechanische Hilfsmittel“ deshalb die erste Stelle in der Beschreibung der Behandlungsmöglichkeiten eingeräumt, weil ich unzählige Leidensgeschichten kenne.
Nur selten tauchen in einem Beckenbodenzentrum Frauen auf, die sich einfach mal beraten lassen möchten, wie sie wohl einer Inkontinenz im fortschreitenden Alter vorbeugen können.
Viel mehr habe ich unzählige Frauen erlebt, die regelrecht verzweifelt waren, einige auch frustriert über fehlende Erfolgserlebnisse nach möglichen Versuchen mit Medikamenten gegen Inkontinenz oder dem einen oder anderen Kurs für Beckenbodengymnastik.
All diese Frauen verdienen es ernstgenommen zu werden. Sie sollten einfühlsam und auf verständliche Weise aufgeklärt werden über alle Therapiemöglichkeiten, die es für ihr spezielles Problem gibt.
Sich mit einem mechanischen Hilfsmittel kurzfristig selbst helfen zu können, ist dabei ein guter Einstieg, um wieder Zuversicht zu gewinnen.
Betrachten Sie ein Tampon oder ein Inkontinenzpessar also als eine Hilfe zur Selbsthilfe, entscheiden Sie selbst, ob es eine längerfristige Lösung für Sie in Frage kommt, oder ob Sie vielleicht eine Operation in Erwägung ziehen möchten.
Denn: es gibt eine Inkontinenzoperation, bei der eine solche Unterstützung in die Scheidenwand unter der Harnröhre „eingebaut“ wird.
Sie wurde Mitte der 90er Jahre von einem schwedischen Arzt erfunden.
Sie sollten allerdings einige Dinge über diese Operation wissen, damit Sie wirklich selbst entscheiden können, ob und wann Sie sich möglicherweise für eine Operation entscheiden.
Und: Sie sollten alle nicht-operativen Möglichkeiten ausgeschöpft haben, bevor Sie sich für eine Operation entscheiden.
Weitere nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten
- Beckenbodentraining:
Ein effektives Beckenbodentraining hat durchaus das Potenzial, um eine leichte Belastungsinkontinenz wieder in den Griff zu bekommen.
Mehr dazu in dem gleichnamigen Blogbeitrag. -
Elektrostimulationstherapie und/oder Biofeedback:
Zusätzlich zu einem aktiven Beckenbodentraining kann der Arzt / die Ärztin Ihnen eine Verordnung für ein spezielles Trainingsgerät ausstellen.
Dieses kann Sie beim Training unterstützen, indem es Ihnen Rückmeldungen vermittelt über die Anspannung der Muskulatur (sogenanntes „Biofeedback), oder auch durch elektrische Impulse eine Anspannung der zu trainierenden Muskelgruppen bewirkt.
Auch eine Kombination aus beiden Therapieformen ist möglich.
Das Gerät wird Ihnen zunächst für 3 Monate zur Verfügung gestellt.
Auf Antrag kann dieser Zeitraum dann für weitere Monate verlängert werden. - Eine gut genährte (östrogenisierte) Scheidenhaut:
Wenn die Inkontinenzproblematik erstmals während des Übergangs in die Wechseljahre oder später auftritt, ist die erste Empfehlung, dem Gewebe im Bereich der Scheidenwände das fehlende Hormon wieder zurückzugeben.
Es genügt eine entsprechende Hormon-haltige Creme oder ein Zäpfchen, welches zweimal pro Woche in die Scheide eingeführt wird.
Nach ca. 6 bis 8 Wochen werden Sie den Effekt spüren und nicht selten funktioniert danach der
Blasenverschluss wieder einwandfrei.
Das Präparat ist allerdings verschreibungspflichtig und muss von der Frauenärztin / dem Frauenarzt verordnet werden.
Weitere Einzelheiten und Tipps dazu finden Sie in dem entsprechenden Blogbeitrag. - Lasertherapie:
Die Laser-Therapie ist eine schmerzlose und unblutige Behandlung von leichten Formen von Belastungsinkontinenz (Grad I-II).
Hierbei wird das überdehnte Gewebe der Muskulatur und des Bindegewebes mittels Laserlicht gestrafft.
Durch die Laserbehandlung wird das Hautgewebe angeregt sich zu erneuern.
In der Regel sind mehrere Sitzungen im Abstand von jeweils 6 Wochen nötig,
um den gewünschten Effekt zu erzielen.
Nach etwa 1 bis 1,5 Jahren ist eine erneute Laserbehandlung nötig.
Leider wird diese Art der Behandlung (noch) nicht von den Krankenkassen
übernommen.
Wenn Sie daran interessiert sind, rate ich Ihnen, sich einen oder mehrere
Kostenvoranschläge von möglichen Anbietern in Ihrer Nähe einzuholen.
Die Kosten für eine Sitzung liegen in der Regel zwischen 300 und 400 Euro.









