9. Scheidenpflege – warum und wie?

Autorin: Reinhild Greulich

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Arbeitet seit 20 Jahren als Urotherapeutin in Beckenbodenzentren.

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Inhaltsangabe

Scheidenpflege?

Klingt erstmal befremdlich, ist aber ein wichtiges Thema, wenn es um die Gesundheit und das gute Funktionieren der Blase geht.

Gemeint ist damit nicht das Thema Hygiene und wie man den Intimbereich pflegt, sondern es ist das Innere der Scheide gemeint.

Die Scheidenhaut besteht aus vielen unterschiedlichen Hautschichten und ist bei jüngeren Frauen gut durchblutet, elastisch und dicht mit sogenannten „Rezeptoren“
für das weibliche Hormon Östrogen durchsetzt.

Das bedeutet, dass es überall in den Scheidenwänden und dazu auch in den Wänden der Harnröhre und des Blaseneingangs Empfänger gibt, die durch das weibliche Hormon quasi Nahrung empfangen. Aufgrund der Nahrung durch ausreichend Hormon funktioniert das ganze Hautsystem.

Es werden regelmäßig neue Zellen und Blutgefäße gebildet, kleine Drüsen sorgen für eine gesunde Feuchtigkeitsbildung und ein saures Klima, hervorgerufen durch sogenannte gesunde Milchsäurebakterien macht es schädlichen Keimen schwer, sich in der Scheide zu vermehren.

Wie gesagt, all das funktioniert einwandfrei, wenn genügend Östrogen in den Eierstöcken gebildet wird. Lässt die Produktion nach, etwa durch Eintritt in die Wechseljahre oder auch eine Entfernung der Eierstöcke, so verändert sich das Ganze und hat für bis zu 40 % der Frauen spürbare negative Auswirkungen.

Die Hautschichten werden weniger und verjüngen sich nicht mehr von selbst, die Haut wird trocken und verliert ihre Elastizität. Durch die Trockenheit haben eindringende Bakterien ein leichtes Spiel und können ungehindert in die Scheide und Harnröhre gelangen.

Die Folgen sind zum Beispiel ein erhöhtes Risiko für Blasen- und Scheidenentzündungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, sowie Brennen beim Wasserlassen und ein zunehmender Harndrang.
Davon haben Sie möglicherweise schon mal gehört.

Was aber viele nicht wissen, ist, dass ein Mangel an Hormon auch negative Auswirkungen auf die Funktion des Blasenverschlusses hat.

Mit dem Eintritt in die Wechseljahre steigt also das Risiko einer Belastungsinkontinenz zusehends. Ebenfalls nimmt die Elastizität und damit Stabilität der Scheidenwände ab, was zu einem schnellen Fortschreiten von Blasen- oder Darmsenkungen führen kann.

Regelmäßige Pflege der Scheidenhaut wirkt Wunder

Wie lässt sich dem „Nahrungsmangel“ der Scheidenhaut denn nun entgegenwirken?

Vorweggesagt:
Es ist dazu nicht nötig, Hormone zu schlucken.

Vielmehr gilt es, dem Gewebe der Scheide direkt ein pflegendes Präparat zu verabreichen. Hierfür gibt es sowohl Cremes als auch Scheidenzäpfchen und Tabletten, die in die Scheide eingelegt werden.

Die beste Wirkung haben hier Präparate mit dem Wirkstoff „Estriol“.
Estriol gehört zur Hormongruppe der Östrogene und ist das schwächste der weiblichen Hormone. Es wirkt durchblutungsfördernd und fördert die Neubildung von Zellen in der Schleimhaut von Scheide, Harnröhre und Blase.

Vereinfacht gesagt, halten Sie das Gewebe in der Scheide, Harnröhre und Blase regelrecht jung, elastisch und abwehrstark durch eine regelmäßige Anwendung von Estriol-haltigen Präparaten.

Übrigens ist dies, nämlich die sogenannte „lokale (als örtliche) Östrogenisierung“ die
erste Empfehlung aller Expertenkommissionen für Frauen mit Blasen- und
Senkungsbeschwerden, deren eigener Körper nicht mehr genügend davon produziert.

Ich kann selbst aus jahrelanger Erfahrung bestätigen, dass allein das Umsetzen dieser
Empfehlung bei vielen Frauen Wunder bewirkt.

Liegt zum Beispiel nur eine leichte Blasenschwäche vor mit vermehrtem Harndrang und nur seltenem unfreiwilligen Urinverlust, so kann allein die regelmäßige Ernährung der Scheidenhaut zu einer völligen Wiederherstellung der Blasenfunktion – und damit Heilung – führen.

Besteht bereits eine ausgeprägtere Schwäche des Blasenverschlusses oder liegt eine
spürbare Senkung von Blase, Gebärmutter und/oder Darm vor, so werden durch die
regelmäßige Pflege mit einer Estriol-haltigen Creme oder Zäpfchen in den meisten
Fällen zumindest die lästigen Symptome deutlich gebessert.

Wie oft, wie lange, wieviel? – Praktische Tipps

Jetzt habe ich Ihnen so viel von den Vorzügen und Wirkungen einer regelmäßigen Pflege der Scheide erzählt, dass Sie diesen Ratschlag möglicherweise gerne mal umsetzen möchten, um sozusagen am eigenen Leib zu erfahren, ob es Ihnen und Ihrer Blase guttut.

Dann besteht der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung darin, sich um ein Rezept für ein solches Präparat zu bemühen. Denn, eben weil es sich dabei um ein Hormonpräparat handelt, unterliegt es der Verschreibungspflicht.

Ich empfehle sehr, sich zu Anfang statt Zäpfchen (sogenannten Ovula) eine entsprechende Creme verschreiben zu lassen.

Oft ist die Scheidenhaut in ihrem Mangelzustand nämlich höchst empfindlich und, da die Zäpfchen in ihrer Zusammensetzung einen größeren Anteil an Alkohol enthalten, können sie ein unangenehmes Brennen verursachen.

Hat sich die Haut nach einiger Zeit erholt, kann man, wenn gewünscht, gerne auf Ovula umstellen.

Ein Foto von Reinhild Greulich, erfahrene Urotherapeutin

Guten Tag,

ich bin Reinhild Greulich, eine erfahrene Urotherapeutin mit 20 Jahren Fachkompetenz in verschiedenen Beckenbodenzentren.
Ich verstehe die Beschwerden aus der Praxis und weiß um den Wert einer fundierten Beratung für die Lebensqualität betroffener Frauen.

Auf meiner Webseite biete ich Hilfe zur Selbsthilfe und einfache Selbsttests, um Frauen zu ermächtigen, ihre Blasenfunktion selbstbewusst und selbstbestimmt zu verbessern.

Ich freue mich über Ihr Feedback:

2 Antworten

  1. Frau Greulich ist eine kompetente, einfühlsame Therapeutin. Durch ihr großes Wissen habe ich jede Menge gelernt über den Beckenboden, dessen Beschwerden, und ich habe Wissen vermittelt bekommen für die Entscheidung, welche Schritte im Moment dran sind. Lieben Dank an Frau Greulich

  2. Frau Greulich – eine wunderbare Symbiose aus Kompetenz, Feingefühl und Herzlichkeit. Bei ihr merkt man die Liebe und Hingabe für ihren Beruf – der eigentlich ihre Berufung ist. Dieses außerordentliche Wissen rund um die urogynäkologischen Probleme der Frau hat selbst mir eine Operation erspart. Danke Reinhild für Deine wunderbaren Tipps und Hilfestellungen. Ich bin glücklich, jeden Tag so viel von Dir lernen zu können!!!

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