Wiederkehrende Blasenentzündungen sind für die einen ein quälendes Problem, wenn sie mit Beschwerden wie ständigem Harndrang und Schmerzen verbunden sind, andere haben sie zwar häufig, spüren aber nicht die typischen Symptome wie Brennen und Schmerzen.
Auf den Fachkongressen der Urologen und Urogynäkologen sind wiederkehrende
Blasenentzündungen ein häufiges Thema, weil die Ärzte in ihrer Praxis ständig damit konfrontiert werden. Es gibt eine sogenannte „Leitlinie“, die Ärzten als Hilfe für die Behandlung dient.
Diese wird in regelmäßigen Abständen überarbeitet, weil es immer mal wieder neue Entwicklungen und Erkenntnisse zu dem Thema gibt. Die Leitlinie findet man übrigens im Netz, wenn man die entsprechenden Stichwörter eingibt.
Viele wissen gar nicht, dass sie an einer Blasenentzündung leiden
Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich bestätigen, dass die Zahl der an wiederkehrenden oder auch bereits chronischen Blasenentzündungen leidenden Frauen im Laufe der letzten Jahre deutlich zugenommen hat.
Die Patientinnen in unserer Sprechstunde sind überwiegend in dem Alter zwischen 40 und 80 Jahren. Viele von ihnen wissen gar nicht, dass sie an wiederkehrenden Blasenentzündungen leiden.
Sie berichten über nervigen Harndrang, Urinverlust auf dem Weg zum WC, manche können ihre Blase nicht mehr vollständig leer machen, sie müssen vielleicht in der Nacht mehrmals aufstehen – alles Symptome, die nicht in erster Linie an eine Blasenentzündung denken lassen.
Aber nur, weil sie keine Schmerzen haben, heißt das nicht, dass man die Blasenentzündung ignorieren sollte.
Erstaunlicherweise verschwinden die Beschwerden tatsächlich in vielen Fällen, nachdem die Blasenentzündung behandelt ist und die Blase sich wieder erholt hat.
Wichtig: Keime gezielt bekämpfen
Welche Behandlung empfehlen wir ihnen?
Zunächst schicken wir in der Regel eine Urinprobe ins Labor und lassen dort die Keime identifizieren. Zusammen mit der Antwort auf die Frage, welche Keime sich in der Blase eingenistet haben, bekommen wir von dem Labor auch eine Liste von Antibiotika genannt. Auf manche der gängigen Antibiotika reagiert der Keim vielleicht schon resistent.
Wir behandeln die Entzündung dann einmalig mit einem passenden Antibiotikum, während wir gleichzeitig Maßnahmen empfehlen, die der Blase guttun und es den Keimen schwer machen, sich wieder in großer Menge anzusiedeln.
Aber welche Maßnahmen tun der Blase denn gut?
Ebenso wichtig: dafür sorgen, dass es die Bakterien in Zukunft schwer haben, sich wieder zu vermehren
Eine enorm wichtige Maßnahme ist die Pflege und Ernährung des Scheidengewebes. Da die meisten Blasenentzündungen von Keimen verursacht werden, die eigentlich im Darm zu Hause sind, und der Weg vom Darmausgang zum Eingang der Harnröhre bei uns Frauen kurz ist, gilt es, dafür zu sorgen, dass dieser Bereich gesund und widerstandsfähig ist, bzw. wird.
Haben die Eierstöcke während der Wechseljahre ihre Arbeit eingestellt und fehlt dadurch die Hormonzufuhr, die für eine kräftige, gut durchblutete Scheidenhaut nötig ist, empfehlen wir eine „örtliche“ Hormonbehandlung mit einer Estriol-haltigen Creme oder Scheidenzäpfchen (diese sind verschreibungspflichtig).
Nachdem man begonnen hat, diese zweimal in der Woche in die Scheide zu geben, dauert es etwa 6 Wochen, bis sich die Scheidenhaut regeneriert hat.
Logischerweise sollte man danach nicht wieder aufhören mit der Behandlung, sondern sie dauerhaft fortführen.
Übrigens hat man herausgefunden, dass es auch in der Blase und Harnröhre Rezeptoren für das weibliche Hormon gibt. Ist die Schleimhaut in der Blase und Harnröhre also durch häufige oder chronische Entzündungen dauergereizt, wirkt sich die regelmäßige Hormonanwendung auch dort wohltuend und heilend aus.
Mehr zu dem Thema „Pflege der Scheide“ finden Sie in dem entsprechenden Blogbeitrag.
Nahrungsergänzungsmittel, die sich positiv auf die Blasengesundheit auswirken
Gleichzeitig empfehlen wir die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die die Blase durchspülen und es den Keimen schwer machen, sich dort wieder einzunisten.
Ganz oben auf der Hitliste steht dabei D-Mannose, eine Zuckerart, die aus Pflanzen gewonnen wird, vom Körper nicht „verarbeitet“ wird, sondern über das Blut wieder in den Urin gelangt. Es wurde nachgewiesen, dass dieser Zucker dafür sorgt, dass sich die sogenannten Coli-Bakterien, Hauptverursacher von Blasenentzündungen, nicht mehr in der Blasenwand einnisten können.
Vorbeugend genügt täglich eine Menge von 2 Gramm, die, in ein Glas Wasser eingerührt, getrunken wird. Man kann die Einnahme auch kurzzeitig steigern auf mehrmals täglich 2 Gramm im Abstand von 3 Stunden. Das macht Sinn, wenn man spürt, dass wieder eine Entzündung aufflammen will. Oft genügt allein die Einnahme von D-Mannose, um eine Entzündung erfolgreich zu bekämpfen.
Kaufen kann man diese Substanz sowohl in der Apotheke (ist auf die Dauer aber sehr teuer), als auch in den gängigen Drogeriemärkten und, was ich empfehle, im Internet. Ich selbst kaufe sie dort, abgepackt in 250 Gramm-Tüten für je ca. 14 bis 20 Euro.
Ein anderes pflanzliches Mittel, welches eine nachgewiesene entzündungshemmende Wirkung hat, ist eine Kombination aus Kappuzinerkresse und Merrettich. Die in diesen Pflanzen enthaltenen Senföle bekämpfen Bakterien und Viren. Es gibt verschiedene Firmen, die ein solches Präparat in Form von Kapseln anbieten.
Beide Mittel sind nicht verschreibungspflichtig.
Ich selbst nehme seit einigen Jahren täglich konsequent meine Portion D-Mannose. Seither habe ich für meine Blase kein Antibiotikum mehr gebraucht.
Da ich immer dankbar bin für erprobte Tipps von anderen Frauen, hier noch ein Tipp von einer Patientin, die trotz Einnahme von D-Mannose noch häufig an Brennen im Bereich der Harnröhre litt. Linderung verschaffte ihr ein Präparat mit der besonderen Kombination aus Cranberry, Kürbiskern, Vitamin C und Vitamin B2. Es heißt „Cystorenal Cranberry plus“ und ist ebenfalls rezeptfrei.
Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich aber sagen, dass die meisten Frauen, die regelmäßig D-Mannose einnehmen, dadurch alle Beschwerden losgeworden sind und keine zusätzlichen Präparate mehr benötigten.









